RL202223 Spielbericht1

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Regionalliga Südwest 2022/23 / Spielbericht 1. Runde

Nur für starke Nerven: SC Dillingen 1 - SC Haar 1931 1 2,5 : 5,5

Spielbericht:
Schach, Logik, Rechnen --- das klingt nach reiner Objektivität und meditativer Sachlichkeit, aber in der Praxis flattert das Nervenkostüm oft lauter als die feuernden Neuronen. Dies gilt doppelt zum Saisonauftakt und dreifach zum Auswärtsspiel. Diese Härteprüfung bestand unsere erste Mannschaft mit Bravour und kehrte mit feiernden Neuronen aus dem Dillinger Kreuzgewölbesaal zurück.

Diesmal war Walter (Brett 6) der erste, der mit einem Schwarzremis die Spannung in der Schwebe hielt. Seine geliebte Grünfeld-Indische Eröffnung brachte beide Parteien so ins Schwitzen, dass zum Mittagsläuten Schwarz wie Weiß mit dem Remis zufrieden waren. 0,5:0,5.

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An Brett 5 blieb Elmar (Weiß) durch seine klassisch zentrale Eröffnung mit scheinbar schlummernder Taktik immer am Drücker. Durch Leichtfigurentausch nahm er jegliche Gegenchance aus dem Spiel, sah aber auch selber kein Mittel mehr zum Weiterkommen. Daher ebenfalls Remis, eine halbe Stunde nach Walter, zum Zwischenstand von 1:1.

Fast eine weitere Stunde dauerte es bis zum nächsten Partieschluss, dann aber mit Knalleffekt: Helmut hatte am Spitzenbrett mit den weißen Steinen gegen einen Fidemeister eine umfassende Würgestellung aufgebaut, in der nur noch der Weiße sich rühren konnte. Ein schwarzer taktischer Befreiungsversuch gab Helmut die Gelegenheit zum unmittelbaren Gewinn einer schwarzen Figur und beendete die Partie zur 2:1-Führung für die Gäste aus Haar.

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Winfried kämpfte an Brett 7 (Weiß) gegen ein schockierendes Turmopfer seines Gegners, nach dem lange Zeit nicht klar war, ob Weiß eine Figur zurückgeben könnte, seinen König verlieren würde oder ein Dauerschach hinzunehmen hätte. Auf Kosten seiner meisten Bedenkzeit fand Winfried die glorreiche vierte Möglichkeit, nämlich nur eine Qualität zurückzugeben und einen Mehrläufer ins Endspiel hinein zu retten. Ein Freibauer entschied schließlich elegant zugunsten von Weiß. 3:1 für die Haarer.

An Brett 2 entfesselte Christoph mit den schwarzen Steinen eine weitere wilde Partie, die den Normalsterblichen schon beim Zusehen erstarren lässt. Ein schwarzer Gegenangriff am Damenflügel brachte das imposante weiße Zentrum komplett zum Stillstand. Als ein schwarzer Freibauer auf a2 erschien, schien die Partie nur noch einen Sieger zu kennen. Aber sie kostete auch viel Bedenkzeit, typischerweise kurz vor dem 40. Zug, als die Lage sich entscheidend zuspitzte. Da kam es zu einem für Christoph untypischen, ganz seltenen taktischen Fingerfehler, der ihn mit einem Minusturm zurückließ. Fairerweise gab er gleich auf, aber die Haarer führten immer noch 3:2.

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Jetzt schlug die große Stunde von Hans Christoph an Brett 8 (Schwarz). Sein Markenzeichen --- stoische Ruhe --- ließ stundenlang alle weißen Angriffsversuche abprallen, und als Weiß mürbe wurde, brachte Hans sein Läuferpaar Schritt für Schritt nach vorne, erntete eine Qualität und führte das Endspiel souverän zum Gewinn. 4:2, ein Mannschaftspunkt war bereits sicher.

Bei diesem Zwischenstand bot Hagen an Brett 3 (Weiß) in komplizierter Stellung sogleich Remis. Nach einigem Zögern und kritischen Blicken aufs Nachbarbrett 4 willigte Schwarz ein. 4,5:2,5, nun war sogar der Mannschaftssieg in der Tasche.

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Aller Aufmerksamkeit richtete sich zu guter Letzt auf Brett 4, wo Anton mit Schwarz eine langwierige und schwierige Verteidigungsphase hinter sich hatte, in der viele andere Schachfreaks den Überblick verloren hätten. Aber noch während des Ritts auf der Rasierklinge hatte Anton scharf gerechnet und einen Bauern geraubt. Im Endspiel mit beiderseits Dame und Turm rückte dann ein schwarzer Freibauer immer weiter vor. Als alle Zuschauer schon ein unendliches Damenendspiel auf sich zukommen sahen, zeigte Anton seine letzte Pointe: Er opferte den Freibauern, um ein materiell gleiches Bauernendspiel mit entferntem Freibauern zu erzwingen. Sieg der Geduld, Zähigkeit und Fantasie.

Der Gesamtstand von 5,5:2,5 erscheint etwas zu hoch, aber wir wissen ja wie es läuft, waren oft genug am anderen Ende der Nahrungskette.

Matchstatistik:
Vordermannschaft 2,5:1,5, Hintermannschaft 3:1.
Weißpartien 3:1, Schwarzpartien 2,5:1,5.

Bereits in zwei Wochen, am Sonntag 23. Oktober 2022 (10 Uhr), geht es weiter mit Runde 2, nämlich einem Heimspiel gegen unsere langjährigen Schachfreunde vom SC Sendling 1.

Spiellokal: Mittelschule Haar, St.-Konrad-Straße 7, 85540 Haar, Klassenzimmer Nr. 10 im OG, Zugang von Norden über die hölzerne Außentreppe.

(kb)