RL202526 Spielbericht8
Regionalliga Südwest 2025/2026 / Spielbericht Runde 8
Selbstüberraschung: SK Marktoberdorf 1 - SC Haar 1931 1 2.5:5.5
Spielbericht:
Auf die höchste Niederlage der Saison folgte postwendend der höchste Sieg --- und das zu siebt beim Tabellendritten in einem Match, das wir wegen Personalnot beinahe abgesagt hätten.
Die aufregenden Vortage mit Hiobsbotschaften wichen sonnigem Galgenhumor, als wir mit zwei Autos unseren Ausflug ins Allgäu antraten. „Das Tragische an meinem Leben ist, dass es auf einer wahren Geschichte beruht“ und ähnliche Sprüche beflügelten unsere Stimmung. Ein erstes Erfolgserlebnis hatten wir in Marktoberdorf, als wir die gefühlt einzige Konditorei fanden, die am Sonntagvormittag geöffnet ist. Mit Kaffee und Brezen bestückt trafen wir pünktlich im AWO-Treff an seinem schönen Kachelofen ein.
Die Gastgeber waren nicht traurig, dass unser Brett 2 leer blieb, aber bereits um Dreiviertelzwölf glich Julian an Brett 6 aus. Trotz der schwarzen Steine setzte er voll auf Angriff, ließ sogar seinen Turm a8 einstehen, um den weißen König in der Mitte festzuhalten. Für die Haarer Mitspieler eine Augenweide, wie die schwarze Dame im Verein mit einem Springer und einem Läufer ein Mattnetz knüpfte. 1:1, das Spielfeld war wieder horizontal.
Am Spitzenbrett nutzte Helmut die weißen Steine für scheinbar unspektakuläre, aber unaufhaltsame Kraftzuwächse. Spätestens als er einen Bauern eroberte und sich in einem Turmendspiel wiederfand, wussten wir, dass ein ganzer Brettpunkt in der Pipeline war. Also nun 2:1-Führung für die Gäste.
Den Vorsprung ließen Elmar und Hagen auch nicht anbrennen. Elmar hatte an Brett 4 die schwarzen Steine, aber im wahrsten Sinn des Wortes ein offenes Spiel mit viel Platz für seine Türme. Ein schwarzer Mehrbauer war psychologisch günstig, wenn auch möglicherweise schwierig flottzubekommen, denn vier seiner Kollegen trugen das Etikett Doppelbauer. Also willigte Elmar „aus einer Position der Stärke“ ins Remis ein, auch weil seine prophetische Gabe ein Haarer Übergewicht an den übrigen Brettern erkannt hatte.
Hagen führte an Brett 5 (Weiß) eine initiativreiche Partie mit Opferideen gegen den kurz rochierten schwarzen König. Nach dem Kampf haderte er im örtlichen Restaurant Rusticana mit sich selbst, weil er anstelle eines glänzenden Läuferopfers einen Vorbereitungszug zuviel gemacht hatte. „Was man von der Minute ausgeschlagen, gibt keine Ewigkeit zurück“ (Schiller). Also auch an Brett 5 ein Remis, nun stand es 3:2 für die Haarer.
Konrad, normalerweise Coach und Maskottchen der ersten Mannschaft, sprang in der Not als Spieler an Brett 7 ein und gelangte mit den weißen Steinen in eine harmlos aussehende Stellung --- bis Schwarz nach langem Nachdenken einen Springer auf f2 opferte, um den weißen König ins Freie zu ziehen. Der hatte diesen Annäherungsversuch kommen sehen und die Konsequenzen für parierbar befunden. So war es auch, aber es dauerte noch lange, bis ein zentraler schwarzer Freibauer eliminiert und die Partie in trockenen Tüchern war. 4:2 für die Gäste, ein Mannschaftspunkt war uns sicher.
Kurz danach hatte Kevin an Brett 8 (Schwarz) in einem Damenendspiel ein klassisches Dauerschach in der Hand, verschmähte aber die einfache Lösung zugunsten einer komplizierten Abwicklung, in der Weiß am Drücker war und Schwarz immer die besten Züge finden musste. Schließlich waren beide Kontrahenten müde genug für ein Remis. Der Zwischenstand von 4,5:2,5 zementierte bereits die Sensation, dass das Siebenerhäuflein beide Mannschaftspunkte entführte.
Ausdauerndster Kämpfer war wieder einmal Christoph an Brett 3 (Weiß). Nach dem Durchleben eines originellen und rechenintensiven Mittelspiels landete er in einem Turmendspiel mit zwei verbundenen weißen Bauern gegen einen schwarzen Bauern am selben Flügel, wobei einer der weißen Bauern bereits ein Freibauer war. Theoretisch vielleicht dennoch remis, aber in der Praxis schwer, den Verteidigungsalgorithmus zu finden. Diese Einschätzung bestätigte sich, der weiße König schaffte es, mehrere Drohungen gleichzeitig zu unterstützen: Matt, Turmgewinn, Bauernumwandlung. Also voller Punkt zum 5,5:2,5-Auswärtssieg, alle angereisten Haarer hatten ihre weiße Weste behalten.
Matchstatistik aus Haarer Sicht: Vordermannschaft 2,5:1,5, Hintermannschaft 3:1; Weißpartien 3,5:0,5, Schwarzpartien 2:2.
An der Tabellenspitze nach acht Runden haben die Schachfreunde Augsburg 2 (14:2 MP) nun einen Punkt mehr als SK Rochade Augsburg 1. SC Haar 1 rückt mit 8:8 MP auf Rang 5 (von 10) vor und hat den Klassenerhalt nun auch mathematisch sicher. (Vorher bestand laut „LigaOrakel“ noch eine Abstiegswahrscheinlichkeit von 0,2%.)
Die Schlussrunde 9 folgt in fünf Wochen, am Sonntag 26. April 2026 (10 Uhr), als Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Rochade Augsburg 1, der theoretisch noch Meister werden kann, wenn nämlich gleichzeitig der Tabellenführer SF Augsburg 2 gegen den Vorletzten TSV Haunstetten 2 verlieren sollte.
Spiellokal: Mittelschule Haar (Obergeschoss), Konradstraße 7, 85540 Haar.
(kb 23.03.2026)